Wohnen

Die Assistenz beim Wohnen bietet erwachsenen Menschen mit Beeinträchtigung die Möglichkeit mit Hilfe der individuellen Assistenz ein selbstbestimmtes Leben in einer eigenen Wohnung zu führen.

Damit Menschen mit Beeinträchtigungen, unabhängig von der Art, dem Schweregrad oder der Ursache der Beeinträchtigung (Ausnahme: ausschließlich altersbedingte Beeinträchtigung) nicht von diesem wichtigen Lebensbereich ausgeschlossen werden, müssen ihnen entsprechend ihren Bedürfnissen und Interessen personelle, technische und finanzielle Hilfen angeboten werden. Dieses ist die Grundlage, um den Bereich Wohnen nach eigenen Vorstellungen auszubilden und zu realisieren.

Die Wünsche und Vorstellungen von Angehörigen und erwachsenen Menschen mit Beeinträchtigungen sind unterschiedlich.
Viele Eltern können aufgrund ihres Alters die notwendige Hilfe nicht mehr leisten. Sie haben daher die Erwartung, dass ihre älteren erwachsenen Kinder nach dem Auszug aus dem Elternhaus eine verlässliche Wohnform erhalten. Diese sollte vor allem bei Krankheit und altersbedingten Beeinträchtigungen eine adäquate Versorgung gewährleisten.

Jüngere Eltern erwarten von diesem Wohnangebot, dass auch nach dem Auszug von Zuhause die erreichte Selbständigkeit und altersgerechte Entwicklung ihrer heranwachsenden Söhne und Töchter fortgesetzt wird. Der Bereich Wohnen wird daran gemessen, ob er für Eltern sowohl die Betreuung und Versorgung als auch die individuellen Bedürfnisse nach Selbständigkeit ihrer erwachsenen Kinder berücksichtigt. Sie möchten ebenfalls bei anstehenden Fragen und Problemen als gleichberechtigte Partner wahrgenommen werden.

Unterstützung im AlltagMenschen mit Beeinträchtigungen äußern immer häufiger den Wunsch, ihr Leben selbst in einer eigenen Wohnung zu gestalten. Daher bietet die SELAM-Lebenshilfe in der Stadt Oldenburg seit 25 Jahren für 70 KundInnen verlässlich die Assistenz beim Wohnen an.
Diese KundInnen leben unabhängig von ihrer Art und Schwere der Beeinträchtigung, allein, zu zweit oder mit mehreren mit Hilfe der Assistenz in einer eigenen Wohnung.

Ziel der Assistenz beim Wohnen ist es, Menschen mit Beeinträchtigungen vergleichbare Lebensverhältnisse und -perspektiven wie nicht beeinträchtigten Menschen zu eröffnen.
Durch die Assistenz beim Wohnen soll ihnen die Teilhabe am Leben in der Gesellschaft, sowie eine möglichst selbständige und selbstbestimmte Lebensführung ermöglicht werden (SGB IX § 4 Nr. 4).

Damit Selbstbestimmung im Wohnbereich ermöglicht wird, muss ausgehend von der persönlichen Lebenssituation und Lebensorientierung der individuelle Hilfebedarf der zukünftigen KundIn ermittelt und ein zielorientiertes Hilfesystem aufgebaut werden. Dieses hat zur Aufgabe, Ressourcen und Kompetenzen in den Bereichen zu festigen und zu erweitern:

  • Lebensziel und Lebensorientierung wie individuelle Zukunftsplanung und Wünsche, Information, Kommunikation und Wertevorstellung,
  • Lebensfertigkeiten und Lebensstabilität wie Kulturtechniken, Mobilität, Eigenverantwortung, soziale, berufliche und gemeindenahe Einbindung,
  • Lebensqualität wie Wohlbefinden und Identität.

 

Umsetzung und deren Qualitätsstandards

  • Die Umsetzung der Assistenz beim Wohnen erfolgt über einen längeren Zeitraum und in mehreren Schritten. Der gesamte Prozess, von der Anmeldung bei der SELAM- Lebenshilfe bis zum Einzug in die eigene Wohnung, wird intensiv begleitet.
     
     Zu Beginn findet ein Informationsgespräch über die Assistenz beim Wohnen mit Eltern, gesetzlichen BetreuerInnen und InteressentInnen durch die Bereichsleitung Wohnen statt. Dabei stehen die Fragen, Wünsche und Vorstellungen der Eltern und ihrer Söhne und Töchter im Vordergrund. Die aktive Beteiligung der Eltern bei der Umsetzung der Assistenz beim Wohnen ist hier notwendig.
    Soll die Assistenz umgesetzt werden, ermittelt die Abteilungsleitung der Vorbereitung des Wohnens gemeinsam mit der InteressentIn und ihren gesetzlichen BetreuerInnen, welche in der Regel die Eltern sind, den individuellen Hilfebedarf. Hierzu wird ein Sozialbericht erstellt, der Aussagen über Inhalte, Ziele, Maßnahmen und zeitliche Umfänge der Assistenz enthält. Weiterhin erfolgt eine Beratung hinsichtlich der Finanzierung der Assistenz beim Wohnen über Grundsicherung, Wohngeld, Eingliederungshilfe, Hilfe zur Pflege und Pflegeversicherung. Ebenso erfolgt eine Unterstützung bei der Wohnungssuche; bei Bedarf auch Suche nach geeigneten MitbewohnerInnen zur Gründung einer Wohngemeinschaft.
    Ein wichtiger Schritt bei der Vorbereitung der Assistenz ist die Hilfeplanung anhand eines zwischen dem Leistungsträger und dem Kostenträger abgestimmten Hilfeplanverfahrens. Hier erstellt der Kostenträger einen Gesamtplan, der mit allen Beteiligten im Rahmen eines Hilfeplangespräches die Inhalte, Art und Höhe des Hilfebedarfes festlegt. Danach erhält die AntragstellerIn eine Kostenzusicherung über die beantragte Hilfe.
    In der eigenen Wohnung können folgende Assistenzangebote stattfinden:
    Hilfen bei der Tagesstrukturierung durch alltäglich wiederkehrende Abläufe sowie Erweiterung der Selbständigkeit durch Übernahme von Eigenverantwortung,
  • Anleitung und Hilfestellung bei der Haushaltsführung,
  • Mobilität, zum Beispiel im Umgang mit öffentlichen Verkehrsmitteln,
  • Hilfen bei der Entwicklung von Kommunikationsformen,
  • Unterstützung bei Konflikten im Beziehungsnetz,
  • Unterstützung bei der Finanzplanung,
  • Hilfen bei der Auswahl von Freizeitangeboten und Unterstützung zur Teilnahme,
  • Hilfestellung beim Umgang mit Behörden,
  • Grundpflege und Hilfestellung bei Hygiene, Körperpflege, und Ernährung,
  • Hinführung zur Inanspruchnahme ergänzender Fachdienste.

 Zu den wichtigsten Qualitätsstandards der Assistenz beim Wohnen gehören:

  • Partnerschaftliche Zusammenarbeit mit den Eltern,
  • Ganzheitliches Hilfsangebot durch Verbindung von Eingliederungshilfe und Hilfe zur Pflege,
  • Orientierung am individuellen Hilfebedarf,
  • Sicherstellung der Dienste durch festgelegte Dienstpläne,
  • den KundInnen fest zugeordnete AssistentInnen,
  • auf Wunsch Assistenz durch MitarbeiterInnen gleichen Geschlechts,
  • Flexible Assistenzleistung bei zusätzlichem Hilfebedarf wie Krankheit und Urlaub,
  • Abstimmung der Assistenzleistung mit den Wünschen der KundInnen.


Die Qualität der Arbeit wird gesichert durch tägliche Dokumentation der Assistenztätigkeit für den Bereich der Eingliederungshilfe und Hilfe zur Pflege sowie regelmäßige kundenbezogene Dienstbesprechungen. Die Eltern werden bei aktuellem Bedarf an Dienstbesprechungen beteiligt und die Assistenzleistung wird im Hilfeplanverfahren regelmäßig überprüft.

Finanzierung der Angebote

Die finanzielle Absicherung der Assistenz beim Wohnen erfolgt über die Eingliederungshilfe, Pflegeleistung bei Einstufung in eine Pflegestufe und Grundsicherung.

Eingliederungshilfe wird nach § 54 SGB XII in Verbindung mit § 55 (2) Nr. 6 SGB IX gewährt. Pflegebedürftige haben bei häuslicher Pflege Anspruch auf Pflegesachleistung nach § 36 SGB XI.

Anspruch auf Grundsicherung haben Menschen, die das 18. Lebensjahr vollendet haben und voll erwerbsgemindert im Sinne nach § 43 Abs. 2 SGB VI sind.

 

Assistenz beim Wohnen

Assistenz beim Wohnen Tel. 0441/36 16 92 10
Nadorster Straße 26  -  26123 Oldenburg